"Nimm dein Bett und geh!"

„Nützt ja nix, kannst nix an doon“? oder „geiht nich, gifft nich“!

„Nützt ja nix, kannst nix an doon!“  Sagen, denken oder hören Sie diesen Satz auch häufig? Es stimmt ja auch – manchmal. Es gibt Dinge, die wir nicht ändern können. Mit denen müssen wir lernen zu leben, müssen uns damit abfinden.  - 38 Jahre war er schon krank. Er hoffte auf Heilung, auf ein Wunder. Dazu aber brauchte er Glück und Leute, die ihm halfen: der Kranke, der am See Betesda lag und vielleicht in seiner Sprache dachte: „Nützt ja nix, kannst nix an doon!“ Die Geschichte dieses kranken Mannes ist sehr alt, die Haltung von Resignation und Hoffnungslosigkeit hingegen begegnet mir fast täglich. Die Probleme sind zu viele und zu groß. Wer bin ich, daran etwas ändern zu können? Also füge ich mich in mein Schicksal.

Wenn dann jemand mich fragt: „Willst Du, dass sich etwas ändert?“, finde ich die Frage fast unverschämt. Natürlich will ich, dass wir Frieden auf der Welt haben, dass das Artensterben gestoppt wird, dass ich gesund werde, dass der Streit beigelegt wir …! Willst Du, dass sich etwas ändert? Dann fang an! Dem Kranken am See Betesda sagt Jesus: Nimm dein Bett und geh!

Es braucht den manchmal schwersten ersten Schritt, um die Richtung zu ändern und einen neuen Weg zu wagen. Oder um sich überhaupt aus der Resignation und Erstarrung zu lösen. Mit jedem weiteren Schritt spüre ich, wie die Lähmung von „Nützt ja nix, kannst nix an doon“ von mir abfällt und abgelöst wird von „geiht nich, gifft nich“. Wenn die ersten Schritte gegangen sind, gibt es die Erfahrung, dass Dinge möglich sind, die ich mir nie zugetraut habe. Es gibt die Erkenntnis, dass ich viel mehr kann, als ich dachte. Vielleicht mache ich auch die Erfahrung, dass mit mir viele unterwegs sind und sich nicht mehr abfinden und fügen, sondern losgehen mit der Haltung: „Geiht nich, gifft nich!“

Vorbilder für diese Haltung haben wir genug, nicht zuletzt durch die Kinder und Jugendlichen von „Fridays for future“, die jetzt auch Erwachsene auf die Straße und zum Handeln bringen, oder die Ev. Kirche Deutschland, die ein Schiff für die Seenotrettung im Mittelmeer kaufen will. Nicht mehr resigniert zugucken, sondern tun, was not-wendig ist!  Ich wünsche uns allen dafür Mut, Hoffnung und Gottvertrauen!

Hilke Osterwald, Pastorin

 

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